Farbenfreude statt Langeweile

Ein wesentlicher Grund für den besonderen Stellenwert der Berliner Welterbe-Siedlungen ist, dass sie trotz oftmals serieller Entwurfsweise nicht monoton wirken. Speziell Bruno Taut verstand es besonders, auch genormte Bauteile durch den Einsatz von Farbe und kleinen baulichen Details immer wieder zu variieren, um der im kostengünstigeren Typenbau drohenden Eintönigkeit vorzubeugen. Für Taut waren Farben "gebaute Lebensfreude". Geschickt benutzte er in fast alle seinen Entwürfen eine meist kräftige und kontrastreiche Farbgebung. Sie geben den Siedlungen nicht nur ein individuelles Gesicht, sondern auch eine sonst in der Architektur eher seltene Fröhlichkeit. Die Fassaden der Häuser und Wohnblocks werden durch den Einsatz von Farbe zu Paaren und Serien zusammengefasst. Einzelne Bauteile – wie Treppenhäuser, Dachgeschosse, die balkonartigen Loggien oder einzelne Fensteraussparungen im Mauerwerk – sind oftmals farblich abgesetzt und hervorgehoben. Ein besonderes Merkmal seines Stils sind die sowohl konstruktiv als auch farblich variierten Eingangstüren. Ab etwa 1927 werden auch die Fenster in das Spiel der Farben mit einbezogen. Und auch für die Innenräume bevorzugte er starke Farben. Um seine Ideen zu verbreiten, betätigte sich Taut auch als Autor und Publizist. Seine Schriften waren so populär, dass sich damals sogar eine eigene Redewendung bildete, nämlich die, seine Wohnung zu „tauten“. Auf diesen Begriff spielt auch der Name des Projekts Tautes Heim an – ein nach Museumsstandard restauriertes Haus, in dem auch alle Innenraumfarben streng nach Befunden von Farbrestauratoren wiederhergestellt wurden.


Aufgaben zum Thema

  • Aufgabe 1: Macht einen ausgedehnten Rundgang durch alle sechs Bauabschnitte der Hufeisensiedlung und notiert, wie viele Konstruktionsvarianten der Eingangstüren es gibt. Notiert zu jeder Konstruktionsvariante auch gleich, in wie vielen Farbvarianten diese existiert. Dann rechnet ihr zusammen: Wie viel Türvarianten gibt es insgesamt?
  • Aufgabe 2: Taut entwarf nicht nur gleich vier der sechs Welterbe-Siedlungen, sondern hat darüber hinaus noch viele weitere große Berliner Wohnanlagen entworfen. Fast alle arbeiten stark mit Farbe. Recherchiert weitere Berliner Anlagen. Besucht sie, dokumentiert und vergleicht deren jeweiligen Farbkonzepte. Wo sind Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten?
  • Aufgabe 3: Nehmt eure Kamera oder euer Handy und macht eine Foto-Safari durch die von Taut für die GEHAG entworfenen Anlagen. Welche typischen Tür- oder Fensterkonstruktionen entdeckt ihr?
  • Aufgabe 4: Sucht eine euch eher langweilig und grau erscheinende Wohnsiedlung oder Straße aus eurem näheren Umfeld aus. Entwickelt ein Farbkonzept, indem ihr die auf euren Fotos oder Ausdrucken zu sehenden Bauteile koloriert und dazu ein kleines Konzept schreibt, warum ihr welche Farben gewählt habt.
Einige Türen und Eingangsbereiche der Hufeisensiedlung, Foto/Collage: BB
Baumblüte in der Britzer Hufeisensiedlung, Postkarte aus den 1960er-Jahren, Quelle: Privatbesitz
Originalgetreu wieder hergestellte Innenraumfarben mit farbig glasierten Kachelöfen, Quelle: www.tautes-heim.de