Arbeiterbewegung

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berlin und seinem Umland viele Industriebetriebe an. Obwohl die Fabriken auch neue Arbeitsplätze brachten, verschärfte die Industrialisierung auch die Armut vieler Menschen, da es zu einem Verfall der Preise nicht-industriell gefertigter Produkte kam. Betroffen waren vor allem die Handwerker, Land- und Textilarbeiter, deren Waren jetzt preislich nicht mehr konkurrenzfähig sein konnten. Viel sattelten notgedrungen um und suchten Arbeit in den großen Fabriken. Die Zahl der abhängig Beschäftigten in der Industrie stieg. Karl Marx, der große Gesellschaftstheoretiker, bezeichnete diesen neu entstehenden Typ der Industriearbeiter als das "Proletariat". Gemeint waren Menschen, die außer ihrer Arbeitskraft fast nichts besaßen und deshalb gezwungen waren, ihren Lebensunterhalt nur durch den Verkauf dieser Arbeitskraft zu bestreiten. Um trotz des Abhängigkeitsverhältnisses gegenüber den mächtigen Fabrikbesitzern ihre Interessen so gut als möglich durchzusetzen, organisierten sich die Arbeiter in Gewerkschaften. Sie forderten mehr Lohn, bessere Absicherung, mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebens-, Arbeits- und Wohnbedingungen. Viele der einfachen Fabrikarbeiter wählten Parteien des linken Spektrums, etwa die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und die die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands), die in den 1920er-Jahren eine Mehrheit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, besaßen. Speziell die linken Parteien machten sich für die Stärkung eines Wohnungsbaus stark, der entweder von der öffentlichen Hand oder über die Bildung von Genossenschaften finanziert werden sollte. Hintergrund waren die zum Teil katastrophalen Wohnverhältnisse der meisten Arbeiterfamilien, die oft auf engstem Raum in den sogenannten "Mietskasernen" lebten. Es wurden Wohnungsbaugesellschaften gegründet, deren primäres Ziel es war, lebensfreundlichen und kostengünstigen Wohnraum für die unteren und mittleren Einkommensschichten zu schaffen.