Bruno Taut (1880–1938 · Leitender Architekt)
wurde 1880 im ostpreußischen Königsberg (heute Kaliningrad) geboren. Von 1897/98 studierte er an der Baugewerkschule in Königsberg sowie später ab 1908 berufsbegleitend an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Künstlerisch vielseitig, gilt Bruno Taut gilt als einer der wichtigsten Impulsgeber und Vertreter des Neuen Bauens. In Berlin entwarf er in nur knapp acht Jahren Praxis rund 10.000 Wohnungen und gleich vier der sechs Welterbe-Siedlungen: die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung am Schillerpark, die Hufeisensiedlung und die Wohnstadt Carl Legien. Zu seinen Hauptwerken zählt außerdem die Siedlung "Freie Scholle" sowie die Waldsiedlung "Onkel Toms Hütte" in Zehlendorf, die derzeit zur Erweiterung als siebste Siedlung des Welterbes vorgeschlagen ist. 1909 gründete Bruno Taut das Büro Taut & Hoffmann, zu dem 1912 auch sein jüngerer Bruder Max Taut hinzustieß. Schlagartig bekannt wurde Bruno Taut und das Büro mit dem Pavillon der Glasindustrie zur Ausstellung des Deutschen Werkbunds 1914 in Köln sowie der 1916 fertiggestellten Gartenstadt Falkenberg. Nach dem Krieg war er von 1921–24 als Stadtbaurat von Magdeburg tätig. Ab 1924 kehrte er zurück nach Berlin und wurde zum Chefarchitekten der neu gegründeten Wohnungsbaugesellschaft GEHAG ernannt. In dieser Rolle prägte er in den Folgejahren entscheidend und hoch produktiv das Gesicht des Neuen Bauens und des öffentlichen Wohnungsbaus in Berlin und darf – neben Martin Wagner – als dessen maßgeblicher Wegbereiter und Vertreter gelten. Neben seiner praktischen Arbeit verfasste Taut eine Architekturlehre, zwei utopische Bildbände sowie mehrere einflussreiche Publikationen und Aufrufe. Wie kein zweiter verstand er es, Details und Farben in der Architektur so einzusetzen, dass kostengünstig realisierbarer serieller Wohnungsbau nicht zu Monotonie führt. Dieser Einsatz von Farbe und gezielten kleinen Variation beschränkte sich nicht nur auf die Fassaden, sondern umfasste auch die Gestaltung von Platzsituationen, Eingangsbereichen, Fenstern, Treppenhäusern und Innenräumen. Bruno Taut war ab 1930 Professor an der Technischen Hochschule Berlin (heute TU Berlin) sowie Mitglied in mehreren einflussreichen Vereinigungen, wie etwa dem Arbeitsrat für Kunst, dem Deutschen Werkbund und dem Zehnerring. Von den Nationalsozialisten als „Kulturbolschewist“ verfolgt, ging er 1933 ins Exil. Während er in Japan vor allem publizistisch tätig war und lediglich einige Kleinmöbel und Gebrauchsgegenstände entwarf, konnte er ab 1936 in der Türkei noch mehrere prominente Bauten realisieren und wurde als Professor an die Akademie der Künste in Istanbul berufen. Dort verstarb Taut relativ jung mit 58 Jahren an den Folgen eines asthmatischen Anfalls und wurde auf dem Istanbuler Ehrenfriedhof Edirnekapı beigesetzt.